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Juni 29, 2016

Nachhaltig mit weniger mehr produzieren

Eric Dereudre untersuchte die Herausforderungen eines nachhaltigen Pflanzenbaus bei einer Konferenz für Landwirte.

Am 9. Juni hielt Eric Dereudre, Vorstandsmitglied des europäischen Pflanzenschutzverbands (ECPA) und Business Leader bei Dow AgroSciences, den Einführungsvortrag auf einer vom Verband der portugiesischen Landwirte in Santarem (Portugal) organisierten Veranstaltung. Eric Dereudre sprach über die Notwendigkeit, den nachhaltigen Pflanzenbau durch konstruktive Politikgestaltung zu unterstützen. Er betonte die doppelte Belastung durch die Zunahme der Weltbevölkerung und den Klimawandel und erklärte, welche Rolle die Industrie zu spielen hat, um das unabdingbare globale Ziel, nachhaltig mit weniger mehr zu produzieren, zu erreichen.

„Es kostet über 300 Mio. Dollar, einen neuen Wirkstoff zu entwickeln, und von der Entdeckung bis zur Vermarktung verstreichen nicht weniger als 11 Jahre“, merkte er an. „Dieser lange Zeitraum ist hauptsächlich auf die strengen regulatorischen Anforderungen in Europa zurückzuführen.“

„In Europa liegt es bei den politischen Führern und Entscheidungsträgern, die Aufgabe und Entwicklungsrichtung der europäischen Landwirtschaft zu definieren und umfassende Richtlinien und Vorschriften zu schaffen. Aber wir meinen, dass die Pflanzenschutzindustrie über das Know-how, den Innovationsgeist und das nötige geographische Verständnis verfügt, um den Herausforderungen in Bezug auf die Nahrungsmittelproduktion zu begegnen.

Trotz dieses Optimismus ließ Eric Dereudre ein Warnung anklingen. „In den letzten 20 Jahren wurden 750 von 1000 Substanzen vom Markt genommen. Im selben Zeitraum wurden nur 200 neue Substanzen eingeführt. Dieser Nettorückgang von 550 bedeutet, dass sich die Pflanzenschutzlösungen für die Landwirte um über 50 Prozent verringert haben. Diese Situation verschärfte sich durch die Einführung der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009, die darüber entscheidet, ob ein Wirkstoff zugelassen wird oder nicht. „Seit ihrer Einführung wurde nur ein einziger neuer Wirkstoff (Arylex™ active) auf den Markt gebracht.“

Er warnte nachdrücklich vor den Folgen für die europäische Landwirtschaft, wenn diese restriktive Praxis fortgesetzt wird. „Dies könnte nicht nur große Ertrags- und Einkommenseinbußen für die europäischen Landwirte bedeuten, sondern auch dazu führen, dass sich die EU von einer führenden Agrarregion zu einer Organisation verwandelt, die wichtige Feldfrüchte nicht mehr in ausreichender Menge produzieren kann und aus anderen Teilen der Welt importieren muss.

Während in der EU die Innovation angepriesen wird, passiert es andauernd, dass die Markteinführung von innovativen Technologien verhindert wird oder dass diese aus der derzeitigen Toolbox der Landwirte entfernt werden, und diese Entscheidungen werden immer häufiger nicht auf wissenschaftlicher Basis, sondern von Politikern getroffen“, sagte Eric Dereudre.

Am Ende seiner Ausführungen äußerte Eric Dereudre die Ansicht, dass die Unterstützung der Landwirte bei ihrem Ziel, Nahrungsmittel nachhaltiger zu produzieren, bedeuten sollte, ihnen Zugang zu „allen verfügbaren Lösungen“ zu verschaffen. Er bezog sich vor allem auf Pestizide und wies darauf hin, dass jedes Jahr ca. 40 Prozent der Kulturen aufgrund von Schädlingen und Krankheiten verloren gingen. Er meinte, dass sich dieser Wert ohne Pestizide auf 80 Prozent verdoppeln könnte, und verwies auf eine von der ECPA gestartete Kampagne mit dem Ziel, die Rolle von Pestiziden in der Landwirtschaft zu erklären und, was noch wichtiger ist, eine echte, aufrichtige Debatte über die Vorteile von Pestiziden in der Nahrungsmittelproduktion zu beginnen.

Zum Abschluss erinnerte er die Zuhörer an ein Statement des EU-Parlamentariers Jim Nicholson: „Pestizide sind für die Landwirte kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.“

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